Tätigkeitsbericht und Projektübersicht 2017/2018

Tätigkeitsbericht und Projektübersicht 2017/2018Tätigkeitsbericht und Projektübersicht 2017/2018

Die deutsche Sprache ist zwar bekanntlich keine einfache, aber dafür eine sehr reichhaltige Sprache. Sie hat Begriffe hervorgebracht, für die man in anderen Sprachen nur schwer eine Übersetzung finden kann. Das lässt sich insbesondere auf die deutsche Vorliebe für Komposita zurückführen, also auf jene Worte, die ihren spezifischen Sinn durch die Kombination einzelner Begriffe erhalten. Viele dieser zusammengesetzten Worte lassen sich in anderen Sprachen nur schwer übersetzen, und einige von ihnen wurden daher ohne Übersetzung von anderen Sprachen übernommen. Besonders häufig ist das der Fall bei Begriffen aus der deutschen Alltagskultur, wie „Bratwurst“ oder „Autobahn“, aber auch solche aus Kunst und Kultur wurden übernommen, wie „Zeitgeist“ oder „Leitmotiv“.

 

Und nun auch „Baukultur“? Möglich wäre es, dank einer Schweizer Initiative. Sie hat anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 eine Kulturministerkonferenz zum Thema Baukultur initiiert, die medienwirksam im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums 2018 in Davos abgehalten wurde. Ergebnis dieser Konferenz war eine gemeinsame Erklärung mit dem bemerkenswerten Titel „Towards a high-quality Baukultur for Europe“.

 

Dass man für diese englischsprachige Erklärung auf ein deutsches Wort zurückgreifen musste, sollte aber nicht zu falschen Rückschlüssen führen. Denn auch hierzulande ist der Begriff Baukultur alles andere als geläufig. Das zeigt ein Blick in die gebräuchlichen Wörterbücher, wo der Begriff Baukultur bis heute nicht zu finden ist. Das eigentlich Wichtige an der Erklärung von Davos ist auch gar nicht ihr Titel, sondern die Tatsache, dass sie erstmals das Thema Baukultur zu einer internationalen Angelegenheit macht. Und dass sie dieses Thema nicht auf Aspekte der kulturellen Exzellenz beschränkt (Baukultur = gute Architektur) oder auf das kulturelle Erbe (Baukultur = Denkmal), sondern dass sie auch ausdrücklich den gebauten Alltag mit einbezieht. Ja, sie stellt die Baukultur mitten in den Kontext aktueller Herausforderungen, wie Klimawandel, demografischen Wandel oder die wachsende soziale Ungleichheit. Und nicht nur das. Sie traut der Baukultur sogar zu, an der Lösung dieser Herausforderungen mitzuwirken.

Was die Erklärung von Davos für ganz Europa einfordert, das praktiziert StadtBauKultur NRW schon seit Jahren in Nordrhein-Westfalen. StadtBauKultur NRW konnte schon mit vielen Projekten unter Beweis stellen, dass Baukultur nicht bedeuten muss, die Welt nur vom Elfenbeinturm aus zu betrachten. Baukultur kann auch bedeuten, auf dem Boden zu bleiben und dort Hand anzulegen, wo Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit gesucht werden.

Die „Heimatwerker“ in der Stadt Nieheim sind ein solches Projekt, mit dem wir im vergangenen Jahr zeigen konnten, wie Baukultur zur Integration von Flüchtlingen beitragen kann (und wie Flüchtlinge zur Baukultur beitragen können!). Oder die Schaufensterausstellung „Gute Geschäfte“, mit der wir in Remscheid Impulse für die Innenstadtentwicklung geben konnten. Oder unsere Studie „Hausaufgaben“, die erstmals ans Tageslicht gebracht hat, was bürgerschaftliches Engagement in alternden Einfamilienhausgebieten leisten kann.

Auch im Jahr 2018 wollen wir zeigen, dass Baukultur zur Lösung aktueller Probleme beitragen kann – mit den bewährten Projekten, die wir weiter fortsetzen werden, und auch mit neuen Projekten. Zum Beispiel mit der Informationsplattform „Zukunft Kirchen Räume“, die wir gemeinsam mit vielen Partnern entwickeln: Sie soll Betroffene dabei unterstützen, wenn ihre Kirche von Leerstand bedroht ist und darum baulich angepasst oder umgenutzt werden muss.

Oder mit unserer Kampagne „Big Beautiful Buildings“, mit der wir die dringend erforderliche Diskussion über den Umgang mit unserer Nachkriegsarchitektur anstoßen wollen.

Und natürlich wollen wir auch in diesem Jahr wieder daran arbeiten, dass das Wort Baukultur populärer wird – ganz besonders in seinem Herkunftsland. Dafür werden wir wie gewohnt zu öffentlichen Veranstaltungen einladen, kostenfreie Publikationen anbieten und öffentlichkeitswirksame Kampagnen durchführen. Wir werden mit vielen Menschen sprechen, an gemeinsamen Projekten arbeiten und uns in den Medien und im fachlichen Diskurs Gehör verschaffen.

In spätestens zehn Jahren wollen die Kulturminister wieder zusammenkommen, um zu überprüfen, ob sie ihre gemeinsam formulierten Vorsätze erfüllen konnten. Wir werden unseren Teil dazu beitragen, dass sie zu einem positiven Ergebnis kommen. Dem vorliegenden Bericht können Sie entnehmen, was wir diesbezüglich im vergangenen Jahr geleistet haben und was wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben.

Informationen

Herausgeber:

Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020

Jahr:

2018

Format:

A5

Umfang:

100 S.

Erscheinungsdatum: April 2018

Download

 Tätigkeitsbericht und Projektübersicht 2017/2018 (pdf, 2,951 kB)

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